Jagdschloss Granitz

befindet sich auf der Insel Rügen in der Nähe des Badeortes Binz.

Auf der höchsten Erhebung Ostrügens, dem 107 m über NN hohen Tempelberg, wurde das Jagdschloss in den Jahren 1838 bis 1846 im Auftrag des Fürsten Wilhelm Malte I. zu Putbus nach Plänen des Berliner Architekten Johann Gottfried Steinmeyer im Stil der norditalienischen Renaissancekastelle errichtet. Es liegt mitten im ca. 1000 ha großen Waldgebiet der Granitz, welches seit 1991 zum Biosphärenreservat Südost-Rügen gehört. Die Bezeichnung Tempelberg für den höchsten Berg in der Granitz stammt aus dem 18. Jahrhundert, als an der Stelle des heutigen Schlosses noch ein kleines sechseckiges Belvedere stand.

Das zweigeschossige, verputzte Backsteingebäude hat einen rechtwinkligen Grundriss und vier kleine Ecktürme. In der Gebäudemitte, im ehemaligen Hofraum, erhebt sich der nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel nachträglich errichtete 38 m hohe Mittelturm. Er beherbergt im Inneren eine freitragende Wendeltreppe mit 154 gusseisernen Stufen. Die statischen Kräfte der schweren Eisentreppe werden vollkommen von den Seitenwänden aufgenommen; denn sie ist quasi in den Turm eingespannt.

Von der 145 m über NN hohen Aussichtsplattform auf dem Dach des Turms hat man einen faszinierenden Panoramablick in alle Richtungen, besonders aber über den Süden und Osten Rügens. Bei klarem Wetter kann man sogar bis Usedom blicken.

Das Jagdschloss war bis zum Jahr 1944 im Besitz der Familie zu Putbus und stand nach der Inhaftierung von Malte von Putbus unter Verwaltung der Nationalsozialisten. Endgültig wurde es im Zuge der ostdeutschen Bodenreform enteignet und befindet sich bis heute in staatlicher Hand. Bestrebungen des Enkel von Malte zu Putbus, Franz zu Putbus, den Familienbesitz zurück zu erlangen, scheiterten vor Gericht. Das Gebäude wird heute als Museum genutzt. Ausgestellt werden alte Jagdgewehre, die Ausstellung Hirsche der Welt, aber auch Möbel aus dem 19. Jahrhundert. Hinzu kommen wechselnde Ausstellungen, beispielsweise von Gemälden. Vom Ostseebad Binz ist das Schloss am schnellsten mit der Binzer Bäderbahn zu erreichen.

Das Jagdschloss ist ein zweigeschossiger verputzter Backsteinbau über annähernd quadratischem Grundriss. Über dem aus der Erde hervorragenden Findlingsfundament liegt der von Kellerfenstern durchbrochene, leicht geböschte glatte Sockel mit einfachem Abschlussprofil. die aufgehenden Wände mit Putzquaderung sind in Höhe der Sohlbänke der Obergeschossfenster von einem Kaffgesims umzogen. Die Traufe ist kaum betont, beträchtlich tiefer liegt ein Fries aus dicht gereihten flachen Konsolen; die Türme sind von kräftigen vorgekragten Zinnenkränzen bekrönt. Alle Fenster und das Portal sind rundbogig, mit profiliertem Gewände; in den Fensterbögen feinteiliges neugotisches Maßwerk; die Fenster des Mittelturmes und der obersten Eckturmgschosse sind schlichter; vor dem Portal eine Freitreppe. Flaches Pappdach. Die Räume im Erdgeschoss haben zum Teil gekachelte Wände und ornamentierte Stuckdecken, in einem Raum ein Kachelofen mit Jagdszenenrelief. Den östlichen Teil des Obergeschosses nimmt der sogenannte "Marmorsaal" ein, dessen Wände bis zu zwei Drittel der Gesamthöhe mit Edelholz und Marmor verkleidet sind. Die Saaldecke trägt Stuckkassetten, an der Westwand steht ein dreistöckiger Marmorkamin. Der Mittelturm steht frei in dem ehemaligen Hofraum, der Zwischenraum ist in jedem Geschoss zu einem ringsum laufenden Gang verwendet worden. Im Turminnern führt eine kreuzförmig angelegte Treppe mit Mittelpodest vom Umgang des Erdgeschosses. Darüber ist der Turm hohl, und an seiner Innenwand läuft in vier Windungen eine Wendeltreppe mit durchbrochenen gusseisernen Stufen bis zur Plattform. Die innere Einrichtung der Räume, die aus neuerer Zeit stammte, ist nicht mehr vorhanden von denen die 22 größten zu den gesetzlich geschützten Geotopen zählen.